Caution, it’s hot!

Caution, it’s hot! Das trübe Herbstwetter ließ mich an diesem Morgen einfach nicht wach werden. Mürrischen Blickes war ich zur Post am Bahnhof gelaufen, um der Pöstlerin wortlos meine Briefpost zu übergeben. Auf dem Weg 19zurück bahnte ich mir meinen Weg durch den Pendlerstrom, der sich aus der gerade aus Zürich angekommenen S-Bahn ergoss. Bis ich ein bekanntes Gesicht auf dem Bahnsteig erkannte: Mit ihrem 26wuchtigen Rollkoffer stand da Wendy, die nicht weniger wuchtige Amerikanerin, meine Leidensgenossin aus dem Hotel Bellavista in Zauberwald. Ich konnte es nicht glauben. Also ich konnte es wirklich nicht glauben! Nicht, weil ich nicht damit gerechnet hatte, Wendy jemals wiederzusehen. Sondern vielmehr, weil ich nicht glauben konnte, dass irgendjemand freiwillig ein zweites Mal nach Ennethürbi[…]

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Mutti ist weg

Mutti ist weg Siegbert war selbst überrascht, als er sich an diesem verregneten Vormittag ein Lied summen hörte. Über Jahre, ja Jahrzehnte hinweg war er Tag für Tag in der finster hallenden Höhle des familiären Fahrradladens seiner Arbeit nachgegangen. Seine Mutter, gleich einem hochtoupierten Drachen, nahm derweil vom erhöhten Kassentresen im hinteren Teil des Ladens dank der exzellenten Akustik jedes auch nur zu freundliche Wort einer Kundin gegenüber mit missbilligendem Augenbraunenrunzeln und gekünsteltem Husten zur Kenntnis. Seit 28 Jahren war Siegbert nun im “Zweiradparadies” beschäftigt. Die Hoffnung auf und die Drohung mit dem Verlust des elterlichen Erbes hatten ihn all die Jahre davon abgehalten, andere und eigene Wege einzuschlagen. Anders als sein Vater, der schon zwar beinahe zwei Jahrzehnten entnervt[…]

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Von Amors Pfeilen angeschossen

Von Amors Pfeilen angeschossen Der Herr Deutschlehrer und seine die Schülerin des Abiturjahrgangs auf Klassenfahrt. Hatte ich gedacht. Bevor sie mit diesem Mittelding aus Mund-zu-Mund-Beatmung und gegenseitigem Auffressen begonnen hatten. Und nicht etwa im Berghain in Berlin, sondern direkt neben mir, in Florenz, im Boboli-Garten. Auf meiner Bank! Für einen Moment hatte ich befürchtet, ich müsse Hilfe holen, weil sich ihre Zungenpiercings miteinander verhakt hätten. Dabei wusste ich nicht mal sicher, ob der frühe Lustgreis und seine juvenile Beischlafassistentin direkt neben mir überhaupt welche hatten. Es war mir dann doch ein wenig unangenehm so direkt daneben zu sitzen. Nicht dass ich spießig oder verklemmt wäre. Aber die kümmerlichen Überbleibsel meines eigenen Anstandsgefühls wollten ihnen mehrfach zurufen: “Nehmt euch ein Zimmer!”[…]

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O mio bambino caro. Oder: Wie redest du denn mit deinem Onkel?

O mio bambino caro. Oder: Wie redest du denn mit deinem Onkel? Ich sitze gemächlich in der wärmenden Frühlingssonne auf der altehrwürdigen Brücke Ponte Vecchio mitten im Herzen von Florenz. Also genau genommen kralle ich mich, und zwar fest an die Brückenbrüstung, aus Angst, von einer Busladung chinesischer Touristen in den feuchtnassen Arno gedrückt zu werden. Doch weder heißt mein Vater Gianni Schicchi noch ist das hier eine Puccini-Oper. Und meine Neigung, kopfüber in den gerade erst vom Eise befreiten Flusslauf gedrängt zu werden, ist außerordentlich gering. Obwohl… Oper… in der Ferne höre ich Opernklänge! Das Bontempi-Akkordeon des rumänischen Straßenmusikanten gibt eine Orgelversion der Puccini-Oper zum Besten während seine Freundin herzzerreißend in unglaublich unpräzisem Italienisch “O mio bambino caro” lächelnd[…]

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Absolut abhängig

Es ist mir tatsächlich gelungen! Nach einigem Herumgedrücke, einem abgebrochenen Schraubenzieher und diversen laut ausgestoßenen Flüchen konnte ich endlich auf meinem betagten Nokia-Handy meine Emails abrufen. Ohne Anhang und nur mit Lupe versteht sich. Einer echten Lupe, keiner Bildschirmlupe. Denn seit mich Ende letzter Woche mein Smartphone überraschend und viel zu früh verlassen hat, darbe ich nach einer Nachricht, wann das Ersatzgerät wohl geliefert werden wird. Nicht, dass mir die 16-stellige Paketnummer etwas nützen würde. Das Nokia kann schließlich den ebenfalls beigefügten Tracking-Link nicht öffnen. Es geschah tückischerweise an einem Samstag, kurz nach Ladenschluss, als die digitale Zentrale meines weltlichen Lebens unversehens aus meiner Jackentasche fiel, die nunmehr nicht mehr schützende Schutzhülle sich wie zum Hohn im Fall öffnete und[…]

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Viva la Mamma!

Hat der Ober mich gerade angezzzt??? Nicht allein, dass der Name “La Mama” schnöder Etikettenschwindel ist, denn hier schwingt Opa (und nur Opa!) das Zepter. Aber diese hektische Version von Louis de Funés sorgt hier in der ansonsten pittoresken Altstadt von Nizza weder bei den Gästen noch beim Personal für freundliche Gesichter. Die Gnocchi sind trotz ihrer falschen Schreibweise erstaunlich lecker. Das scheint Opa auch zu meinen, denn mit einem beherzten “Gnocchi great, yes?” nimmt er mir gleichermaßen schwungvoll wie ungehobelt den nur halb aufgegessenen Teller unter der Nase weg. Ein polyglotter Poet ist er ganz sicher nicht. Und es kommt ja noch eine Hauptspeise, des Hungers wegen. Und ich habe ja noch das Brotkörbchen und den Pfeffer zur Überbrückung..[…]

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Jede Handlung braucht einen Rahmen

Jede Handlung braucht einen Rahmen, jede Geschichte ein Setting und eine Ratte mit großem Ego braucht eine große Bühne. Mein nächstes Buch handelt vom Berliner Großstadtnerd Bastian und seiner Plüschratte Hercule. Hier schon mal ein erster Blick auf das Set, in dem die Handlung spielt: Mehr zu Hercule und Bastian gibt es vorab schon hier. www.bastianrichter.com #ennethuerbi #bastianrichter

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In 25 Jahren werde ich 70

In 25 Jahren werde ich 70 Ich habe noch nicht im Briefkasten nachgesehen. Mein inneres Kind ist einfach noch nicht bereit, dort das ZDF-Zuschauermagazin nebst Begrüßungsschreiben “Willkommen in unserer Zielgruppe” vorzufinden. Facebook ging noch, die waren dezenter. Bunter Glückwunschblumenstrauß und keinerlei Kontextwerbung für Treppenlifte oder “Weniger müssen müssen.” Obwohl… Facebook… das benutzen doch nur noch die Alten, oder? Schnell zum Test eingeloggt… puuuuh! … Twitter und Snap haben mich noch nicht aus Altersgründen zwangsabgemeldet. Gratulieren aber auch nicht so nett wie Facebook. Oder vermutlich bald das ZDF. Beäugen mich schon argwöhnisch. Denn heute in 25 Jahren werde ich 70. Genau das richtige Alter, um mit so spannenden Sachen wie Reihenvorsorgeuntersuchungen zu beginnen, der großen Hafenrundfahrt des kleinen Mannes, wie mein[…]

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“Ennethürbi” ab sofort im Buchhandel!

Lange hat es gedauert, aber jetzt ist es endlich fertig: Mein Erstlingswerk “Ennethürbi – Ein Jahr unter Schweizern” ist ab sofort als eBook auf allen Plattformen und als Taschenbuch bei Amazon und im Buchhandel erhältlich: Amazon.de Taschenbuch Amazon.de Kindle eBook Thalia.de Tolino-eBook Google Play eBook Apple iBooks Store eBook Weltbild eBook www.bastianrichter.com #ennethuerbi #bastianrichter

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That Touch of Rost

That Touch of Rost Irgendwas ist falsch hier. Die Boote links und rechts des vermoosten und wackeligen Stegs sehen so gar nicht aus, wie in meinen karibischen Yachtphantasien. Und das liegt nicht allein daran, dass es Mitte Januar ist, ich in den Niederlanden und nicht in der Karibik bin und dass die strahlende Sonne sich hinter dicken Schneewolken verbirgt. Nein, diese Boote hier haben ihre beste Zeit lange hinter sich. Und die Zeit danach auch. Als Neuzugezogener mit eingeschränkter Fachkenntnis ist es ja grundsätzlich ein Leichtes, mich gepflegt übers Ohr zu hauen. Nach Jahren des unfallarmen Autofahrens kann ich die Motorhaube meines Autos blind öffnen. Meistens jedenfalls. Und blind vor allem meiner mangelhaften Sehkraft wegen. Nicht dass mir dieses Wissen[…]

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